Im Schadenmanagement liegen erhebliche Potenziale für mehr Effizienz, schnellere Prozesse und geringere Reparaturkosten. Gleichzeitig stellt das Karosserie- und Lackgeschäft ein zentrales Geschäftsfeld im Aftersales der VDIK Mitgliedsunternehmen dar, dessen Zukunft es abzusichern gilt. Das wurde beim Fachpanel „Potenziale im Schadenmanagement“ des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) im Rahmen der Automechanika Frankfurt deutlich. Entscheidend sind eine engere Zusammenarbeit entlang der gesamten Reparaturkette und die konsequente Vernetzung von Fahrzeug- , Reparatur- und Schadendaten.
„Im Schadenmanagement können wir erhebliche Potenziale heben – bei den Prozessen ebenso wie bei der Effizienz. Dafür müssen wir die technischen Möglichkeiten konsequenter nutzen und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Reparaturkette verbessern“, sagte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé.
Gemeinsame Ziele für die gesamte Reparaturkette
Karsten Crede von Crede Consulting verwies darauf, dass Prozesskosten und Administration neben den reinen Reparaturkosten einen signifikanten Kostenfaktor darstellen . Steigende Gesamtkosten der Reparatur erhöhten den Druck auf die Versicherungsprämien. Zugleich verfolgten Industrie, Handel und Versicherer nicht immer gleiche Interessen. „Die Selbstoptimierung einzelner Akteure kann die Effizienz des Gesamtsystems beeinträchtigen“, so Crede. Notwendig seien deshalb gemeinsame Ziele, Kennzahlen und eine gemeinsame, vernetzte Datenbasis. Potenziale böten unter anderem Repair-first-Konzepte, ein intelligenter Teilemix, effiziente Werkstattnetze und langfristige Teilekonditionen. Eine gemeinsame Daten- und Schadenplattform könne Entscheidungen unterstützen und Einsparungen entlang der gesamten Reparaturkette ermöglichen.
Fahrzeugdaten besser für die Schadenbearbeitung nutzen
Welche Möglichkeiten Connected-Car-Daten eröffnen, erläuterte Julian Burkhardt von Volkswagen Group Info Services (GIS). Die Sensorik moderner Fahrzeuge erfasse auch im Unfallmoment relevante Informationen. „Die technischen Rahmenbedingungen sind Realität. Die Lücke zwischen dem technisch Möglichen und der operativen Nutzung wächst jedoch kontinuierlich“, sagte Burkhardt. Vernetzte Datenplattformen könnten künftig dazu beitragen, Schäden schneller zu bewerten und Prozesse teilweise zu automatisieren.
Michael Nöldge von DEKRA betonte die Bedeutung des Schadenfalls für die Kundenbindung im Aftersales. „Der Kunde bewertet das Gesamtergebnis und nicht einzelne Prozessschritte“, so Nöldge. Entscheidend sei daher ein abgestimmtes Netzwerk aus Autohaus, Sachverständigem, Anwalt, Versicherer und Kunde. Die Erfahrung nach einem Unfall könne mit darüber entscheiden, ob ein Kunde der Marke treu bleibe.
Reparaturmöglichkeiten bei komplexer Fahrzeugtechnik ausschöpfen
Dr. Christoph Lauterwasser vom Research Council for Automobile Repairs (RCAR) verwies auf die zunehmende Komplexität moderner Fahrzeuge. Moderne Assistenzsysteme könnten zwar Schäden vermeiden – Parknotbremssysteme etwa bis zu 66 Prozent der Parkrempler. Komme es dennoch zu einem Unfall, könnten neben sichtbaren Beschädigungen auch Sensoren und weitereKomponenten betroffen sein. Umso wichtiger sei die Frage, welche Bauteile repariert werden könnten und welche tatsächlich ersetzt werden müssten.
Das Fachgespräch machte deutlich: Die technischen Voraussetzungen für ein effizienteres Schadenmanagement sind vielfach vorhanden. Nun gilt es, Daten, Prozesse und Akteure besser zu verbinden und den Nutzen einer vernetzten Schadenbearbeitung anhand konkreter Praxisbeispiele sichtbar zu machen.
„Wir haben die Technologie, die Daten und das Know-how. Jetzt müssen wir diese Potenziale gemeinsam in die Praxis bringen. Wenn wir die Reparaturkette als Gesamtsystem betrachten, profitieren Versicherer, Werkstätten und Hersteller – vor allem aber die Kunden“, so Labbé.