Französische Hersteller gehören zu den stärksten Importeuren in Deutschland und konnten in diesem Jahr über das bereits starke Marktwachstum von fünf Prozent hinaus wachsen. Deutschland und Frankreich können gemeinsam dafür sorgen, dass Wachstum in Europa auch künftig möglich ist. Dafür braucht es bessere Bedingungen für Innovation und Investitionen, wettbewerbsfähige Produktionskosten und eine europäisch abgestimmte Industriepolitik. Das wurde beim Länderschwerpunkt Frankreich im Rahmen der parlamentarischen Themenreihe des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) in Berlin deutlich.
„Deutschland und Frankreich tragen eine besondere Verantwortung für die Zukunft der Automobilindustrie und für bezahlbare individuelle Mobilität in Europa. Gemeinsam müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die Innovation und Investitionen ermöglichen und zugleich die industrielle Wertschöpfung stärken. Die deutsch-französische Zusammenarbeit in der Luftfahrt kann dabei ein Beispiel sein. Unser Ziel muss sein, dass auch künftig in Europa Automobilgeschichte geschrieben wird“, sagte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie, die Transformation zur Elektromobilität und die wachsende Wettbewerbsintensität.
Jérôme Brouillet, Gesandter für Wirtschaftsangelegenheiten der französischen Botschaft, verwies auf die besondere Bedeutung Deutschlands und Frankreichs, die zusammen 39 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU ausmachen. Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs müssten beide Länder beim europäischen Automotive Package gemeinsam nach tragfähigen Lösungen suchen. Dabei gelte es, Flexibilität für die Hersteller mit einer Stärkung der industriellen Wertschöpfung in Europa zu verbinden. Europa dürfe sich jedoch nicht abschotten: Ziel sei keine „Festung Europa“, sondern eine engere Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern.
Jean-André Barbosa, Director Public Affairs der Renault Group, unterstrich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie: Ein dort investierter Euro generiere vier Euro Wirtschaftsleistung. Frankreich verfüge über 14 Fahrzeugwerke und eine starke Zulieferindustrie. Gleichzeitig werde die Produktion von Elektrofahrzeugen in Europa durch hohe Arbeits-, Energie- und Produktionskosten erschwert. Steigende Fahrzeugpreise seien nach seiner Einschätzung etwa zur Hälfte auf Inflation und zur Hälfte auf Regulierung und Steuern zurückzuführen. Die Elektrifizierung sei dennoch erfolgreich und der Markt für Elektrofahrzeuge vorhanden.
Europa sei insbesondere bei Produktion, Marketing und Vertrieb gut aufgestellt, müsse aber bei Innovation sowie Forschung und Entwicklung zulegen. Dabei hemmt Bürokratie nachweislich Innovation in Europa. Barbosa verwies darauf, dass erhebliche Entwicklungskapazitäten durch die Umsetzung regulatorischer Vorgaben gebunden würden. Statt zusätzlicher Regulierung brauche die Industrie mehr Freiräume für Innovation. Das europäische Automotive Package bezeichnete er als die komplexeste Herausforderung für die europäische Automobilindustrie seit 25 Jahren.
Marie Defrance, Geschäftsführerin des französischen Importeursverbands CSIAM, erläuterte die französischen Instrumente zur Förderung der Elektromobilität. Dazu gehören Social Leasing und der Ecoscore, der unter anderem den CO₂-Fußabdruck eines Fahrzeugs berücksichtigt. Fahrzeuge, die die entsprechenden Kriterien nicht erfüllen, erhalten keine Förderung oder steuerlichen Vorteile. Defrance sprach sich dafür aus, solche Instrumente europäisch zu harmonisieren. Zusätzliche nationale Anforderungen erhöhten die Komplexität und führten zu unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen im europäischen Binnenmarkt.
Ein Schwerpunkt des Panels war die strategische Bedeutung der Batterie. Diskutiert wurde, wie Europa eigene Kompetenzen und Wertschöpfung aufbauen kann, ohne angesichts globaler Überkapazitäten und niedriger Batteriepreise die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. Dabei ging es auch um Chancen aus Kooperationen und Potenziale aus europäischen Allianzen mit politischer Unterstützung zur zukunftsfähigen Gestaltung dieser Kerntechnologie für die Automobilwirtschaft.
Die parlamentarische Themenreihe des VDIK bringt Politik, Automobilwirtschaft und internationale Partner zusammen, um über die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie und gemeinsame Antworten auf die globale Transformation der Branche zu diskutieren.