Potenziale im Unfallschadenmanagement: Ein digitales Schadenökosystem

Wie können Automobilhersteller, die Versicherungswirtschaft und Reparaturbetriebe kooperieren, um die stark steigenden Kosten im Unfallschadenmanagement in den Griff zu bekommen? Das war die zentrale Fragestellung beim gemeinsamen Fachdialog „Potenziale im Unfallschadenmanagement“ des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Automechanika Frankfurt.

„Autofahren wird seit Jahren teurer, über 77 Prozent der Kunden sind laut DAT Report 2026 nicht sicher, ob sie sich individuelle Mobilität in Zukunft noch leisten können, eine wichtige Rolle spielen dabei die Haltekosten. Komplexere Fahrzeugtechnik und höhere Löhne treiben Reparaturkosten nach oben. Aktuell lassen deshalb viele Kunden die immer älter werdenden Fahrzeuge im Schadenfall gar nicht mehr reparieren“, fasst VDIK-Präsidentin Imelda Labbé die Ausgangslage zusammen.

Die Automobilwirtschaft braucht Erträge aus Teilen und Lohn zur Finanzierung der Transformation. Die Versicherer spüren die steigenden Kosten bei der Schadenregulierung. Die Wirtschaftlichkeit der Autoversicherungssparte der Versicherer ist dadurch massiv unter Druck geraten, so dass die Kfz-Versicherungsprämien in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind. Alle Akteure haben jeweils bereits eigene Ansätze implementiert doch eine gemeinsame Herangehensweise stand bisher aus.

Beim Fachdialog „Potenziale im Unfallschadenmanagement“ haben nun Versicherer, Autohersteller, Handel und Serviceprovider erstmals Chancen für ganzheitliche Lösungsansätze im Sinne der gemeinsamen Kunden beleuchtet. Der Fokus lag dabei auf Modellen zur Zusammenarbeit von Versicherern und Herstellern und ihrem markengebundenen Handel, um die Effizienz im Schadensprozess zu steigern – damit individuelle Mobilität für Kunden bezahlbar bleibt. Dabei haben die Vorträge von Peter Hermges, der als Leiter Aftersales für die Marken des VW Konzerns sprach und von Jens Nietzschmann, Sprecher der Geschäftsführung der Deutsche Automobil Treuhand (DAT) eindrucksvoll aufgezeigt, wie Datenintegration in der Prozesskette bis hin zum Handel bereits heute effektiv Kosten senken können.

„Es braucht mehr Kooperation zwischen den Branchen“, so Karsten Crede, Geschäftsführender Gesellschafter von Crede und Company. Die Lösung wäre ein digitales Schadenökosystem – im konstruktiven Zusammenspiel zwischen Auto- und Versicherungsindustrie und der Handelsorganisation. Das ist die Basis für eine nachhaltig erfolgreiche und kundenfreundliche Autoversicherung der Zukunft.“
Wie ein gemeinsames Modell aussehen kann, das Wartezeiten für Kunden, Kostenkontrolle und Reparaturqualität als gemeinsamen KPI zugrunde legt, skizzierte Frans Ditmer, Chief Commercial Officer von Fixico in seinem Impuls.

Optimierungspotenzial gibt es reichlich, von Standzeiten über Mietwagenkosten über fehlende Ersatzteile und Reparaturinformationen bis hin zu nicht integrierten Prozessketten.
Ein möglicher Weg wären gemeinsame digitale Plattformansätze, die es ermöglichten, vorhandene Daten besser zu nutzen und Schadenprozesse effizienter zu steuern. Denn, so waren sich die Teilnehmer in der anschließenden Paneldiskussion einig, Geschwindigkeit sei in der Schadensteuerung essenziell und die beste Möglichkeit, Kosten einzusparen. Das gilt nicht nur für Werkstattkosten, sondern auch für Mietwagen- und Prozesskosten. Außerdem lohne es sich, dass Hersteller und Versicherer gemeinsam an der Verfeinerung der bestehenden Typklassen mithilfe von Fahrzeugdaten arbeiten, denn viele Parameter der Versicherungsprämie ergäben sich bereits aus dem Entwicklungs- und Designprozess der einzelnen Fahrzeugmodelle.

Eine Plattform, um weitere Lösungsansätze zu diskutieren und den Dialog der Akteure auszubauen ist die Automechanika in Frankfurt im Herbst. Michael Johannes, Vice President Mobility & Logistics bei der Messe Frankfurt und Brand Manager der internationalen Messemarke Automechanika: „Unfallschaden- und Reparaturmanagement gewinnt für Automobilhersteller zunehmend an Bedeutung. Es ist mittlerweile ein strategisches Thema, das über Umsatzpotenziale im Aftermarket, den Zugang zu Fahrzeugdaten, Kundenbindung und letztlich über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Im Werkstattbereich begrüßen wir in diesem Jahr auch wieder Automobilhersteller auf der Messe, die ihre Konzepte und Services im Aftersales vorstellen. Im Fokus des etablierten Automechanika Schadentalks am vorletzten Messetag, dem 11. September, stehen in diesem Jahr Automatisierung von Prozessen, Marktkonsolidierung und Robotik.“

Die Automechanika findet dieses Jahr vom 8. bis 12. September auf dem Messegelände in Frankfurt statt.

Pressefoto: Fachdialog Schadenmanagement 24. März 2026